Grundlagen zum Zeichnen von Neuemissionen

1 Was sind Aktien?

Die Eigentumsanteile an einer Aktiengesellschaft nennt man Aktien. Wenn eine Aktiengesellschaft z.B. 1 Mio. Aktien hat, so entspricht jede Aktie einem millionstel Anteil an der Aktiengesellschaft. Wenn die Aktien einer Aktiengesellschaft an einer Börse zugelassen sind, so werden ihre Aktien an dieser Börse gehandelt. Angebot und Nachfrage bestimmen dann den jeweiligen Kurs der Aktie.

Nennwert von Aktien

Die Aktien haben in der Regel einen Nennwert. Früher war pro Aktie ein Nennwert von 50 DM üblich, heutzutage sind es zumeist 5 DM oder 1 Euro. Der Nennwert hat nichts mit dem realen Marktwert der Aktien zu tun. Der Nennwert aller Aktien zusammen ergibt das gezeichnete Kapital (man nennt es auch Grundkapital) der Aktiengesellschaft. Teilt man das gezeichnete Kapital durch den Nennwert der Aktien, so ergibt sich die Anzahl der Aktien der Aktiengesellschaft.

Gewinn und KGV

Eine besonders wichtige Information zur Bewertung einer Aktie sind die Gewinne und die zukünftigen Gewinne der Aktiengesellschaft, Denn mit einer Aktie erwirbt man im Prinzip einen Anteil an allen zukünftigen Gewinnen der Aktiengesellschaft. Die relevante Größe in diesem Zusammenhang ist der Gewinn pro Aktie. Allerdings ist ein Gewinn pro Aktie von z.B. 2 Euro natürlich abhängig von dem Kurs der Aktie ganz unterschiedlich zu bewerten. Wenn der Kurs der Aktie z.B. 20 Euro beträgt, muß man pro Euro jährlichen Gewinn 10 Euro in die Aktie investieren. Wenn der Kurs der Aktie hingegen bei 100 Euro liegt, muß man pro Euro jährlichen Gewinn 50 Euro in die Aktie investieren. Es macht also Sinn, das Verhältnis aus dem Kurs der Aktie und dem Gewinn (genau formuliert dem Gewinn pro Aktie) zu bilden. Man nennt diese Größe entsprechend das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).
Welches KGV stellt nun eine faire Bewertung für eine Aktie dar? Einen Ausgangspunkt kann das KGV von Anleihen bilden. Bei einer Anleihe erhält man jährlich einen bestimmten Betrag an Zinsen, dieser stellt quasi den Gewinn der Anleihen dar. In zahlreichen Medien wird die aktuelle Umlaufrendite veröffentlicht, hierbei handelt es sich um die durchschnittliche Verzinsung von bestimmten Anleihen, zumeist von Staatspapieren. Wenn die Umlaufrendite z.B. 5% beträgt, so bedeutet dies, dass man bei Anleihen für 100 investierte Euro 5 Euro an Verzinsung erhält. Das KGV der Anleihen würde in diesem Fall also 100/5 = 20 betragen. Anleihen sind vergleichsweise sichere Anlagen, bei Aktien ist hingegen mit deutlich größeren Kursausschlägen zu rechnen. Daher würde man normalerweise erwarten, dass die Anleger bei Aktien ein geringeres KGV als bei Anleihen fordern. Bei einer Umlaufrendite von 5% würde man also erwarten, dass Aktien ein KGV von unter 20 haben. Allerdings wurde bei der bisherigen Betrachtung noch nicht berücksichtigt, dass sich bei Aktien der Gewinn in der Regel über die Jahre verändert, während die Verzinsung einer Anleihe konstant bleibt. Wenn man bei einer Aktie mit steigenden Gewinnen in der Zukunft rechnet, sind somit auch bei einer Umlaufrendite von 5% KGV´s bei Aktien von über 20 zu rechtfertigen. Die am Neuen-Markt gehandelten Wachstumswerte haben teilweise in der Vergangenheit ein sehr hohes Gewinnwachstum gehabt, und es wird häufig auch für die nächsten Jahre mit einem sehr hohen Gewinnwachstum gerechnet. Somit läßt sich verstehen, dass diese Aktien teilweise KGV´s von 100 oder sogar noch mehr haben.

KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)

Gerade unter den Technologiewerten befinden sich häufig Neuemissionen die bei ihrem Börsengang, und auch in den darauf folgenden Jahren, keine Gewinne machen. Eine Bewertung über das KGV ist in diesen Fällen unmöglich. Natürlich müssen auch diese Firmen langfristig Gewinne erwirtschaften (wenn es sich nicht einfach nur um "Schrott" handelt) und ihre aktuelle Bewertung muss durch die zukünftigen Gewinne gerechtfertigt sein. Aber es macht wenig Sinn, die Gewinne eines einzelnen Unternehmens in 10 Jahren zu schätzen, hiermit sind zuviele Unsicherheiten verbunden. Für eine bestimmte Branche ist es eher möglich, Erwartungen über die langfristige Gewinnentwicklung zu bilden. An der Börse geschieht diese Erwartungsbildung implizit über die Aktienkurse der Firmen dieser Branche. Eine wichtige Größe, um diese Firmen untereinander zu vergleichen, bildet der Umsatz der Firmen. Um eine Aussage über die Bewertung einer Firma treffen zu können, muss man den Umsatz nun aber auch (wie beim KGV den Gewinn) mit dem Aktienkurs ins Verhältnis setzen. Hierbei ergibt sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Ein KUV von 10 drückt z.B. aus, dass die Firma mit dem 10fachen ihres Umsatzes bewertet wird.

 

2 Neuemissionen - Neue Aktien

Längst nicht von jeder Aktiengesellschaft werden die Aktien an der Börse gehandelt. Wenn eine Aktiengesellschaft ihre Aktien erstmals an der Börse zum Handel zuläßt, kommt es zu einer Neuemission. Im Englischem nennt man diesen Börsengang going public. Ein Teil der Aktien (oft zwischen 20% und 50%) wird dann den Anlegern angeboten. Hierbei wird eine Preisspanne festgelget, innerhalb derer den Anlegern die Aktien angeboten werden.
Wenn man bei der Zeichnung Aktien bekommen möchte, muss man bei einer Bank eine Order erteilen. Voraussetzung hierzu ist, dass man bei der Bank ein Depot besitzt. Dieses muss man gegebenenfalls erstmal eröffnen. Man zeichnet dann bei der Bank eine bestimmte Anzahl an Aktien. Gleichzeitig kann man die Order limitieren. Wenn die Preisspanne z.B. 17 bis 22 Euro beträgt, könnte man z.B. ein Limit von 19 Euro setzen. Man würde die Aktien dann nur erhalten, wenn sich bei der Zuteilung ein Kurs zwischen 17 und 19 Euro ergibt. Wenn man allerdings nur Aktien zeichnet, bei denen man mit deutlichen Kurssteigerungen nach der Emission rechnet, sollte man lieber kein Limit setzen, denn gerade diese Aktien wurden oft zu dem oberen Kurs der Preisspannne zugeteilt. Wenn tatsächlich unterhalb der oberen Preisspanne zugeteilt wird, erhalten auch alle Anleger, die nicht limitiert haben, die Aktien zu dem niedrigeren Kurs.
Ob man Aktien erhält, hängt insbesondere von der Nachfrage ab. Wenn sehr viele Anleger zeichnen wollen, werden die Aktien oft zwischen den Anlegern, die zeichnen, verlost. Außerdem erhalten die Anleger in diesen Fällen zumeist nur einen Teil der von ihnen georderten Aktien. Bei vielen Banken werden in diesen Fällen bestimmte Pakete, z.B. Pakete zu 100 Aktien, verlost. Die Zuteilung ist in diesen Fällen also auch nicht größer, wenn man sehr viele Aktien, z.B. 500 oder 2000 Stück, zeichnet. Weiterhin ist zu beachten, dass viele Banken erwarten, dass auf dem Konto genug Geld ist, damit man auch, wenn man alle georderten Aktien erhält, die Aktien bezahlen kann. Außerdem sollte man im Auge behalten, dass die Chance, tatsächlich alle oder fast alle georderten Aktien zu bekommen, gerade dann sehr hoch ist, wenn sich relativ wenige Anleger für die Aktie interessieren. Gerade in diesen Fällen ist aber oft mit einer schlechten Kursentwicklung zu rechnen. Man sollte also "Mondzeichnungen" vermeiden.
Weiterhin ist wichtig, dass man bei vielen Emissionen nur Chancen auf eine Zuteilung hat, wenn man ein Depot bei einer der Konsortialbanken hat. Diese Banken sind an der Emission der Aktien beteiligt, und sie berücksichtigen bei der Zuteilung zunächst die eigenen Kunden bzw. die Kunden anderer Banken aus der gleichen "Kette". Folgende Verbindungen sind hierbei zu beachten:

Konsortialbank Zeichnen kann man auch bei ... Bemerkung
Landesbanken Sparkassen Bei stark überzeichneten Emissionen ist nur das Zeichnen bei Sparkassen, die der jeweiligen Landesbank angeschlossen sind, erfolgsversprechend.
DG Bank, WGZ-Bank Volks- und Raiffeisenbanken, Spardabank, Netbank  
HypoVereinsbank, Vereins- und Westbank Hypobank, Vereinsbank, Direktanlagebank  
Deutsche Bank Bank 24  
Dresdner Bank Advance Bank  
Commerzbank Comdirect (auch europ. Ausland!)
Schmidt Bank Consors  
HSBC Trinkhaus und Burkhardt Pulsiv.com  
SGE Fimatex (bisher nur Fimatex in Paris, ab 2. Hj. mehr avisiert)  


Zeichnungsgebühren

Einige Banken nehmen für die Zeichnung eine Gebühr (z.B. 10 oder 20 DM). Diese Gebühr muss man bezahlen, wenn man keine Aktien bekommt. Ob diese Gebühr rechtens ist, ist strittig. Bisher gibt es aber noch keine Urteile in dieser Sache. weitere Infos


3 Graumarkt

Neuemissionen können innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne gezeichnet werden, bei besonders gefragten Aktien wird die Emission bisweilen auch vorzeitig geschlossen. Einige Tage nach dem Ende der Zeichnungsfrist beginnt der Börsenhandel. Ab diesem Termin kann man auch an der Börse die Aktien kaufen, bzw. man kann, wenn man bei der Emission Aktien bekommen hat, diese verkaufen. Bereits bevor die Aktien an der Börse gehandelt werden, organisieren einige Börsenhändler einen "Handel per Erscheinen" (hier sind insbesondere Schnigge und Diederich zu nennen). Da es sich hierbei noch nicht um den offiziellen Börsenhandel handelt, wird dieser Handel auch als "Graumarkt" bezeichnet. Dieser Begriff ist aber insofern problematisch, als mit Graumarkt ansonsten eher unseriöse Angebote bezeichnet werden. Um an dem "Handel per Erscheinen" teilnehmen zu können, muss man über seine Hausbank Kontakt mit den Börsenmaklern aufnehmen. Der Vorgang ist nicht ganz unkompliziert. Allerdings ist der Graumarkt auch dann sehr interessant, wenn man nicht selber an diesem Markt teilnehmen will, denn die Kurse am Graumarkt geben die Wertschätzung der dort handelnden Marktteilnehmer für die jeweiligen Aktien wieder. Wenn z.B. eine Aktie am Graumarkt mit dem Dreifachen des oberen Wertes der Emissionsspanne gehandelt wird, so zeigt dies, dass die am "Handel per Erscheinen" teilnehmenden Käufer bereit sind, das Dreifache des Emissionskurses (in diesem Fall wird sicherlich am oberen Ende der Preisspanne emitiert) für die Aktien zu bezahlen. In einem solchen Fall kann man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vermuten, dass die ersten Börsenkurse deutlich über dem Emissionskurs liegen. Daher empfiehlt es sich in einem solchen Fall, die Aktien zu zeichnen. Allerdings sind natürlich auch die Graumarktkurse keine Garantie für die spätere Kursentwicklung.Insbesondere, da nur ein relativ kleiner Teil der Anleger an dem Markt aktiv teilnimmt. Deshalb haben die Graumarktkurse nur eine bedingte Prognosekraft, wie folgendes Beispiel zeigt:

Die nachfolgende Tabelle zeigt zwei 1999 emittierte Aktien:
Titel
WKN
Emissions-
kurs
Letzte Preistaxe
bei Schnigge
Erster Börsenkurs
Kurs vom 29.06.2000
Pandatel AG
691630
22
22 - 24
26.00
111
Toys International
928617
13
12.50 - 13.50
11.50
10,80

Bei beiden Aktien waren die Kurstaxen leicht positiv (bei Toys Int. lagen sie während des bookbuildings zumeist deutlich über 13 Euro). Die Entwicklung war aber nach dem Börsenstart total unterschiedlich Toys International ging bis auf 8 Euro runter. Es ist durchaus denkbar, dass in Einzelfällen interessierte Kreise die Kurstaxen bewusst nach oben "manipulieren".

Es empfiehlt sich auch von daher, außer den Graumarktkursen auch Informationen über die Firma einzuholen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang z.B. das Betätigungsfeld der Firma, die zukünftige Gewinnerwartung (KGV), die Stärke auf dem relevanten Markt und die Qualität des Managements.
Insbesondere dann, wenn man tatsächlich Aktien erhält, ist natürlich eine Einschätzung des Unternehmens wichtig, denn man muss sich überlegen, ob man die Aktien gleich wieder verkaufen, oder ob man sie längere Zeit halten will.


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Letzte Änderung: 23.12.2000