Graumarkt

Neuemissionen können innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne gezeichnet werden, bei besonders gefragten Aktien wird die Emission bisweilen auch vorzeitig geschlossen. Einige Tage nach dem Ende der Zeichnungsfrist beginnt der Börsenhandel. Ab diesem Termin kann man auch an der Börse die Aktien kaufen, bzw. man kann, wenn man bei der Emission Aktien bekommen hat, diese verkaufen. Bereits bevor die Aktien an der Börse gehandelt werden, organisieren einige Börsenhändler einen "Handel per Erscheinen" (hier sind insbesondere Schnigge und Diederich zu nennen). Da es sich hierbei noch nicht um den offiziellen Börsenhandel handelt, wird dieser Handel auch als "Graumarkt" bezeichnet. Dieser Begriff ist aber insofern problematisch, als mit Graumarkt ansonsten eher unseriöse Angebote bezeichnet werden. Um an dem "Handel per Erscheinen" teilnehmen zu können, muss man über seine Hausbank Kontakt mit den Börsenmaklern aufnehmen. Der Vorgang ist nicht ganz unkompliziert. Allerdings ist der Graumarkt auch dann sehr interessant, wenn man nicht selber an diesem Markt teilnehmen will, denn die Kurse am Graumarkt geben die Wertschätzung der dort handelnden Marktteilnehmer für die jeweiligen Aktien wieder. Wenn z.B. eine Aktie am Graumarkt mit dem Dreifachen des oberen Wertes der Emissionsspanne gehandelt wird, so zeigt dies, dass die am "Handel per Erscheinen" teilnehmenden Käufer bereit sind, das Dreifache des Emissionskurses (in diesem Fall wird sicherlich am oberen Ende der Preisspanne emitiert) für die Aktien zu bezahlen. In einem solchen Fall kann man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vermuten, dass die ersten Börsenkurse deutlich über dem Emissionskurs liegen. Daher empfiehlt es sich in einem solchen Fall, die Aktien zu zeichnen. Allerdings sind natürlich auch die Graumarktkurse keine Garantie für die spätere Kursentwicklung. Insbesondere, da nur ein relativ keiner Teil der Anleger an dem Markt aktiv teilnimmt, deshalb haben die Graumarktkurse nur eine bedingte Prognosekraft. Es empfiehlt sich auch von daher, außer den Graumarktkursen auch Informationen über die Firma einzuholen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang z.B. das Betätigungsfeld der Firma, die zukünftige Gewinnerwartung (KGV), die Stärke auf dem relevanten Markt und die Qualität des Managements.
Insbesondere dann, wenn man tatsächlich Aktien erhält, ist natürlich eine Einschätzung des Unternehmens wichtig, denn man muss sich überlegen, ob man die Aktien gleich wieder verkaufen, oder ob man sie längere Zeit halten will.
 


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Letzte Änderung: 02.11.2000